Lohnt sich der Immobilienkauf für junge Familien?

Immer mehr junge Familien machen ihren Traum von den eigenen vier Wänden wahr. Landauf, landab sieht man Eigenheime, vor denen Bäume mit aufwendig gestalteten Geburtstafeln stehen. Wer an einem solchen Baum stehenbleibt und sich die daran befestigte Geburtstafel ansieht, wird feststellen, dass es sich nicht etwa um eine alte Tafel aus dem vergangenen Jahrzehnt handelt, die die Eltern aus nostalgischen Gründen nicht abhängen wollten: In den meisten Fällen ist der Nachwuchs erst vor wenigen Wochen zur Welt gekommen.

Dies deutet darauf hin, dass es sich auch junge Paare leisten können, eine Eigentumsimmobilie zu kaufen – niedrige Zinssätze und günstige Arbeitsmarktbedingungen machen es möglich. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt (Stand: April 2017) liegen die günstigsten Zinssätze für Hypothekendarlehen bei ca. 1,75 Prozent (variabler Zins) bzw. 1 Prozent (Festzins / 10 Jahre). Die tatsächlichen Zinsen bewegen sich auf einer Höhe von 1,5 bis 2,5 Prozent. Zwar sind die Realeinkommen in den vergangenen Jahren kaum gestiegen – das nach wie vor hohe Lohnniveau sorgt aber weiterhin dafür, dass Hypothekendarlehen eine Belastung sind, die eine junge Familie durchaus schultern kann. Dies gilt allerdings nur, wenn das Haushaltseinkommen ausreicht, um die hohen Anforderungen für Eigenheimfinanzierungen zu erfüllen.

75% Tilgung innerhalb von 15 Jahren

Vor einiger Zeit wurden die Vergaberichtlinien für Hausfinanzierungen in der Schweiz nochmals deutlich verschärft. Nachdem es bereits im Sommer 2012 Änderungen der Richtlinien für die Vergabe von Immobilienkrediten gab, legte die Schweizer Bankiersvereinigung noch einmal nach: Der maximale Zeitraum bis zur vollständigen Tilgung der geliehenen Summe beträgt nun maximal 15 Jahre (bisher 20 Jahre). Zudem gelten bei der Bewertung von Immobilien nun neue Standards: Zukünftig darf zur Kalkulation nur die niedrigste Bewertung herangezogen werden. Bei allen Neuverträgen gilt, dass 75% des Verkehrswertes der jeweiligen Immobilie nach spätestens 15 Jahren getilgt sein müssen. Bei einem Eigenheim mit einem Verkehrswert von 200’000 CHF müssen innerhalb dieser Zeit folglich 150’000 CHF getilgt werden – daraus ergibt sich eine monatliche Belastung von 833 CHF. Spielräume wie in anderen Ländern gibt es in der Schweiz nicht: Kommt der Kreditnehmer seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nach, fällt die Immobilie zurück an die Bank.

Kein Hauskauf ohne Eigenkapital

Ein schmuckes Familienheim mit einem Vorgarten, in dem irgendwann eine Geburtstafel aufgehängt wird: Wer sich diesen Traum erfüllen möchte, muss erst einmal sparen – und zwar nicht zu knapp: Hypothekendarlehen werden nur an Kreditnehmer vergeben, die mindestens 10 Prozent der Kaufsumme aus Eigenmitteln bestreiten können. Ein Hausbau bzw. -kauf ohne Eigenkapital, wie er beispielsweise in Deutschland oder den USA häufig nachgefragt wird, ist hierzulande schon seit 2012 nicht mehr möglich. Für so manches Paar bedeutet dies, dass die Lebensplanung wohl oder übel an die neuen Bedingungen auf dem Kapitalmarkt angepasst werden muss. Anstatt einer Geburtstafel lässt man sich von den Verwandten Geld schenken, um damit das Sparschwein zu füllen. Im Extremfall wird mit dem Kinderwunsch so lange gewartet, bis die Partnerin die „Schallgrenze“ von 40 Jahren erreicht hat – danach nimmt die Wahrscheinlichkeit, dass im Vorgarten doch noch eine Geburtstafel aufgehängt werden kann, mit jedem Jahr drastisch ab.

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